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  • 08. Oktober 2009

    Wie Web 2.0 die Wirtschaft verändert (Teil 1 von 4) – Transaktionskosten

    Weit mehr als die Hälfte der Bundesbürger ist bereits online – Tendenz weiter steigend. Damit hat das Web 2.0 die kritische Masse längst erreicht, um Wirtschaft und Gesellschaft radikal zu verändern. Einzelne Wertschöpfungsstufen und ganze Branchen werden überflüssig oder durch neue Geschäftsmodelle abgelöst.
    Die Theorie der Transaktionskosten kann helfen, genauer zu beschreiben und vorherzusagen, ob und in welchem Ausmaß eine Wertschöpfungsstufe oder Branche durch das Web 2.0 verändert oder gar überflüssig wird.

    1. Was sind Transaktionskosten?

    Als Transaktion (lat. trans-actio – das Hinüberführen, Abschluss) bezeichnet man die Übertragung eines Gutes (Ware, Dienstleistung) oder einer Forderung von einem Wirtschaftsteilnehmer (Person, Unternehmen, Staat) auf einen anderen. Dies wäre zum Beispiel der Kauf eines Autos gegen Geld (in der VWL: Geld = Forderung).

    1937 veröffentlichte der Volkswirt RONALD H. COASE seine Theorie der Transaktionskosten, für die er 1991 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt. [1]
     

    Transaktionskosten:

    Sämtliche Kosten, die nicht direkt den reinen Produktionskosten für ein Gut (bzw. eine Dienstleistung) zuzurechnen sind, werden Transaktionskosten genannt.

     
    Diese können vor der Transaktion (ex ante) oder nach der Transaktion (ex post) anfallen. Beispiele für ex-ante-Transaktionskosten sind

    Unternehmens-Transaktionskosten: fixe Kosten für Errichtung, Erhalt und Entwicklung eines Unternehmens (z. B. für Personalverwaltung, PR, Mitarbeiter-Weiterbildung); variable Transaktionskosten (z. B. für innerbetriebliche Transporte, Controlling-Kosten)

    Such-/ Informationskosten: für Unternehmen z. B. Aufwand für Marktforschung zur Preisfestsetzung und Ermittlung von Kundenwünschen etc. ; für Konsumenten z. B. Anbieterauswahl, Ermitteln und Vergleichen von Preisen etc.

    Anbahnungskosten: für Unternehmen z. B. der Aufwand für Marketing und Werbung, Vertrieb, Messen, Wochenmärkte;  für Konsumenten z. B. der Besuch von Geschäften, die Nutzung von Maklern und Verkaufsvertretern

    Vereinbarungskosten: für Unternehmen z. B. Zeit für Verhandlungen, Erstellung von Verträgen, Notars-/Anwaltskosten; für Konsumenten z. B. der Aufwand für die Kaufentscheidung, Preisverhandlung

     
    Die ex-post Transaktionskosten sind im Wesentlichen Abwicklungskosten (Maklercourtage, Transportkosten etc.), Kontrollkosten (Kontrolle der Einhaltung von Terminen, Mengen, Preis etc.) oder Änderungskosten (Änderungen von Termin, Qualität, Menge, Preis etc.).

    Nach COASE bilden sich Unternehmen immer dann, wenn dadurch die Transaktionskosten niedriger sind, als wenn man die für die Herstellung des Produktes nötigen Zwischenstufen und Arbeitsschritte einzeln am Markt einkaufen würde. Sind hingegen die Transaktionskosten durch Einkauf am freien Markt niedriger, als würden diese durch das Unternehmen selbst geleistet, kommt es zum Einkauf am freien Markt, also z. B. zu Outsourcing, Public Private Partnership etc., wodurch oft neue Geschäftsmodelle und neue Unternehmen entstehen.
     

    Bestreben der Wirtschaft ist es, in jeder Wertschöpfungskette möglichst niedrige Transaktionskosten zu erreichen.

     
    2. Einfluss des Internets und Web 2.0 auf die Transaktionskosten

    Um den Einfluss des Internets und des Web 2.0 auf die Transaktionskosten zu betrachten, unterscheide ich nach zwei Arten von Gütern:

    1. Digitalisierbare Güter (z. B. Bücher, Musik) sowie automatisierbare
        Dienstleistungen
    (z. B. Übersetzungsleistungen, Recherchedienste)

    2. Nicht digitalisierbare Güter (z. B. ein Tisch, ein Auto) und Dienstleistungen
        (z. B. Friseur, Restaurantbesuch)

    Beide werden durch das Internet und Web 2.0 unterschiedlich stark und auf unterschiedliche Weise beeinflusst.
     

    Hypothese 1

    Alle nach Stand der Technik digitalisierbaren Güter werden digitalisiert werden und die Zwischenstufen (Intermediäre) der Wertschöpfungskette werden mittel- bis langfristig vom Internet bzw. Web 2.0 verdrängt oder zu einer kleinen Nische schrumpfen.

     
    Hypothese 1 werde ich in Teil 2 dieser Serie am Beispiel des Buchhandels näher erörtern und anhand von Beispielrechnungen die Senkung von Transaktionskosten durch das Internet und Web 2.0 zugunsten des Gewinns darstellen.

     
    Hypothese 2

    Bei den nicht digitalisierbare Gütern und Dienstleistungen senken Internet und Web 2.0 mindestens die Such-/Informationskosten derart, dass Institutionen, deren Geschäftsmodell in der Senkung von Such-/Informationskosten liegt, ihre Rolle verlieren.

     
    Hypothese 2 werde ich in Teil 3 dieser Serie erörtern. In Teil 4 werde ich dann Schritt für Schritt eine Methode beschreiben, mit der jeder für seine Branche bzw. sein Geschäftsmodell grob abschätzen kann, in wie weit Web 2.0 dieses verändern bzw. ersetzen wird.
      

    Die Serie „Wie Web 2.0 die Wirtschaft verändert“ im Überblick:

     »  Teil 1 von 4:  Transaktionskosten
     »  Teil 2 von 4:  Schrumpfende Wertschöpfungsketten – Beispiel Buchmarkt
     »  Teil 3 von 4:  Informationskosten – Nahe Null dank Web 2.0
     »  Teil 4 von 4:  Methode zur Einschätzung der Situation der eigenen Branche

     
    Weiterführende Quellen:

    [1]        Coase (1937): The Nature of Firms.  Economica. New Series. Vol. 4, 
                No. 16 (Nov., 1937), Seiten 386-405  http://www.jstor.org/pss/2626876
                Coase (1991) – Autobiography
                http://nobelprize.org/nobel_prizes/economics/laureates/1991/coase-autobio.html

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